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Schülerforschung · FIRST LEGO League BIOGLOW

Bakterien, die aufhören zu leuchten, wenn Wasser giftig wird

Wir bauen ein Messgerät, das misst, was chemische Analysen nicht können: nicht was im Wasser ist, sondern ob es Lebewesen schadet. Und wir prüfen ehrlich, ob das mit Mitteln aus einer Schulwerkstatt überhaupt geht.

wenige — dunkel viele — Licht an

Das Projekt

Wir fragen das Wasser nicht, was drin ist. Wir fragen, ob es Leben schadet.

Wenn Gift in einen Bach gelangt – ausgewaschenes Pflanzenschutzmittel nach Starkregen, eine Fehleinleitung, Strassenabwasser – merkt das heute meist zuerst niemand.

Chemische Analysen suchen gezielt nach einzelnen Stoffen. Man findet nur, wonach man sucht, jede Substanz kostet Geld, und bei einer unbekannten Mischung hilft das wenig.

Es gibt ein Verfahren, das die Frage umdreht. Es benutzt lebende Leuchtbakterien: Geht es ihnen gut, leuchten sie. Werden sie vergiftet, leuchten sie schwächer. Wie viel schwächer, das ist das Messergebnis. Das Verfahren ist als Norm ISO 11348 international festgelegt und wird in der Schweiz professionell angeboten.

Nur kosten die Laborgeräte dafür mehrere tausend Franken. Zu viel für eine Gemeinde, einen Fischereiverein oder eine Schule, die einfach regelmässig ihr Gewässer im Auge behalten möchte.

Unsere Forschungsfrage

Lässt sich ein solches Messgerät mit Mitteln aus einer Schulwerkstatt bauen – zuverlässig genug, um als Frühwarnung zu taugen?

Warum ein Nein auch ein Ergebnis ist

Wir haben vor der ersten Messung festgelegt, was als Erfolg gilt. Sollte sich zeigen, dass ein Selbstbaugerät die nötige Genauigkeit nicht erreicht, veröffentlichen wir das genauso – mit den Messwerten, die zu diesem Schluss führen. Ein sauber belegtes «funktioniert nicht» erspart anderen die gleiche Sackgasse.

Hinter dem Projekt steht ein Team von Kindern und Jugendlichen im Rahmen der FIRST LEGO League, Saison BIOGLOW. Betreut wird es von Erwachsenen aus dem Makerspace.

Die Methode

Ein Meeresbakterium, das sich selbst abzählt

Aliivibrio fischeri erzeugt blaugrünes Licht bei etwa 490 Nanometern. Es leuchtet aber nicht immer: Jede Zelle gibt einen Botenstoff ab, und erst wenn genügend Zellen beieinander sind, schalten alle gleichzeitig ein. Bakterien zählen sich also gegenseitig ab. Das nennt sich Quorum Sensing.

In der Natur lebt dieses Bakterium im Leuchtorgan des Hawaii-Zwergtintenfischs. Der Tintenfisch füttert die Bakterien, sie leuchten nach unten und löschen damit seine Silhouette aus, die sich sonst im Mondlicht gegen die helle Wasseroberfläche abzeichnen würde. Zwei Lebewesen, die nur zusammen funktionieren – das kleinste Ökosystem, das man sich vorstellen kann.

Genau dieses Ökosystem benutzen wir als Messfühler für ein grosses: unseren Bach.

lichtdichtes Gehäuse temperiert auf 15 °C Bakterien 490 nm 2 Sensoren Messwert Mikro- controller Tabelle
Der ganze Aufbau. Zwei unabhängige Lichtsensoren messen dieselbe Probe – wenn beide dasselbe sagen, ist der Messwert echt. Wenn nicht, haben wir ein Artefakt gefunden.

Was wir messen

Die Hemmung in Prozent: wie stark das Leuchten nach 15 und 30 Minuten Kontakt mit einer Wasserprobe zurückgeht, verglichen mit einer unbehandelten Kontrolle.

Was das aussagt

Eine Aussage über Giftwirkung, nicht über Schmutz. Ein Bach kann trüb und harmlos sein oder glasklar und giftig. Wir messen die Wirkung auf Lebewesen.

Was es nicht kann

Es sagt nicht, welcher Stoff die Wirkung verursacht. Für die Ursachensuche braucht es danach ein Labor. Unser Gerät soll nur sagen: hier lohnt sich das Hinschauen.

Stand der Arbeit

Wo wir gerade stehen

Diese Seite wird während der Saison laufend aktualisiert – auch dann, wenn etwas nicht klappt.

Kultur in Arbeit
Messgerät in Arbeit
Kalibrierung offen
Feldmessungen offen

Unsere Erfolgskriterien – vorher festgelegt

Damit das Ergebnis am Ende nicht schöngeredet werden kann, haben wir vor der ersten Messung aufgeschrieben, was zählt:

  • Grün — Streuung der Dreifachbestimmung unter 20 %, saubere ansteigende Kalibrierkurve, beide Sensoren einig. Das Gerät taugt zum Screening.
  • Gelb — Kurvenform stimmt, Streuung zwischen 20 und 30 %. Taugt für die Rangfolge zwischen Messstellen, nicht für Zahlenwerte.
  • Rot — Streuung über 30 % oder keine erkennbare Dosis-Wirkungs-Beziehung. Selbstbau in dieser Form untauglich.

Welches der drei Ergebnisse es wird, steht hier, sobald wir es wissen.

Messdaten

Offene Daten, auch die unangenehmen

Alle Messwerte veröffentlichen wir hier, sobald sie vorliegen – mit Datum, Messstelle, Wetterlage und Streuung. Verworfene Durchgänge kennzeichnen wir als solche und schreiben dazu, warum sie verworfen wurden.

Messstellen und Messergebnisse
Messstelle Was sie beantwortet Hemmung Stand
Bach oberhalb ARAGrundzustand des Gewässers—offen
Bach unterhalb ARAWirkt der Kläranlagenablauf?—offen
Strassenablauf nach RegenReifenabrieb und Strassenschmutz—offen
Graben am AckerrandAbschwemmung aus der Landwirtschaft—offen
LeitungswasserNegativkontrolle, muss unauffällig sein—offen
Spülmittel 1:10 000Positivkontrolle, muss deutlich hemmen—offen
Hinweis zur Einordnung

Unsere Werte sind Schülermessungen mit einem selbstgebauten Gerät. Sie ersetzen keine amtliche Gewässeruntersuchung und dürfen nicht als solche verwendet werden. Wenn ein Wert auffällt, ist das ein Anlass zum Nachschauen – kein Befund.

Mitmachen

Wir suchen Leute, die mehr über unser Gewässer wissen als wir

Wir sind ein Schülerteam und wissen, was wir nicht wissen. Deshalb fragen wir.

An Fischereivereine

Sie merken Veränderungen im Bach lange vor jeder Behörde. Wo würden Sie messen, wenn Sie ein Gerät hätten? Und was müsste es können, damit es Ihnen tatsächlich nützt?

An Gemeinden und Werkhöfe

Wenn es ein Gerät für ein paar hundert Franken gäbe, das anzeigt ob etwas im Wasser ist, aber nicht was – wäre das für Sie brauchbar? Wir würden Ihnen unsere Ergebnisse gerne vorstellen, egal wie sie ausfallen.

An Fachleute

Wenn Sie mit Ökotoxikologie, Gewässerschutz oder Lumineszenzmessung zu tun haben: Ein halbstündiges Gespräch hilft uns mehr als jede Woche Literaturrecherche. Wir kommen vorbei oder telefonieren.

An andere Schulen

Unser Bauplan und unser Messprotokoll sind offen. Wenn Sie das nachbauen möchten, melden Sie sich – wir teilen auch, was bei uns schiefgegangen ist.

So erreichen Sie uns

Am einfachsten per E-Mail. Wir antworten meist innerhalb weniger Tage – schulbedingt manchmal etwas langsamer.

hallo@lumitox.ch

Für Rückfragen von Medien oder Behörden wenden Sie sich bitte an die erwachsene Projektbetreuung, erreichbar über dieselbe Adresse.